Projektstart ERWIN: Wissen sichern heißt Zukunft gestalten
Am 1. Dezember 2025 ist das Projekt ERWIN offiziell gestartet. Als INQA-Experimentierraum, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), verfolgt ERWIN ein klares Ziel: Erfahrungswissen im Handwerk dort zu sichern, wo es entsteht – im Arbeitsalltag – und es für kommende Generationen nutzbar zu machen.
Der demografische Wandel trifft das Handwerk mit voller Wucht. In den kommenden Jahren scheiden zahlreiche erfahrene Fachkräfte aus den Betrieben aus – mit ihnen geht wertvolles Erfahrungswissen verloren: Wissen, das nie aufgeschrieben wurde, das im Tun steckt und im Alltag den Unterschied macht.
Genau hier setzt das ERWIN an.
Die konzeptionelle Ausrichtung des Projekts wurde im Kick-off-Treffen des Projektkonsortiums am 19. Dezember 2025 gemeinsam festgelegt. Dabei bestand Einigkeit, ERWIN nicht als reines Dokumentationsprojekt zu verstehen, sondern als aktives Assistenzsystem, das Erfahrungswissen im betrieblichen Alltag wirksam unterstützt und den Austausch zwischen den Generationen stärkt.

Warum klassische Wissenssammlungen nicht mehr ausreichen
Viele Betriebe haben bereits versucht, Wissen zu dokumentieren: Ordner, Checklisten, digitale Ablagen. Doch häufig entsteht dabei vor allem eines – ein statischer Datenbestand, der im Alltag kaum genutzt wird. Ein „Datenfriedhof“, der Wissen bewahrt, aber nicht wirksam macht.
ERWIN geht bewusst einen anderen Weg.
Im Mittelpunkt steht nicht das Archivieren von Informationen, sondern die aktive Unterstützung im Arbeitsprozess.
ERWIN als lebendiger Wissensvermittler
ERWIN versteht sich nicht als Speicher, sondern als Assistenzsystem: Ein Vermittler zwischen den Generationen. Ziel ist es, das implizite, erfahrungsbasierte Wissen älterer Fachkräfte so zu erschließen, dass es für jüngere Mitarbeitende im Arbeitsfluss verfügbar wird.
Dabei ist klar:
Fachkräfte im Handwerk sind keine IT-Spezialisten. Systeme müssen sich an den Menschen anpassen – nicht umgekehrt. ERWIN orientiert sich deshalb konsequent an der betrieblichen Realität von KMU.
Von der Analyse zur konkreten Umsetzung
Zum Projektstart wurde bewusst ein klarer roter Faden gelegt:
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Problemanalyse
Frühere Wissensmanagementsysteme sind oft an Überkomplexität und mangelnder Praxisnähe gescheitert. Technisch perfekt – aber am Menschen vorbei. -
Neuer Lösungsansatz
ERWIN setzt auf eine KI-gestützte Sprachassistenz, die sich an realen Arbeits- und Erfahrungshorizonten orientiert. -
Empirische Basis
Bestehende Studienergebnisse und Praxiserfahrungen bilden die Grundlage, um Arbeitsprozesse realitätsnah zu simulieren und weiterzuentwickeln.
Die bewusste Abkehr von starren Industrie-4.0-Modellen ist dabei kein Rückschritt, sondern eine strategische Entscheidung: Agilität statt Überengineering.
Fokus auf Sprache – bewusst und praxisnah
ERWIN konzentriert sich auf klar abgrenzbare, explizierbare Wissensanteile, etwa zu Arbeitsschutz oder typischen Arbeitsabläufen. Als zentrales Interface dient dabei Sprache.
Warum?
Weil Sprache der natürlichste Zugang zu Wissen ist – niedrigschwellig, vertraut und ohne zusätzliche technische Hürden. Auf komplexe Videoanalysen oder invasive Technologien wird bewusst verzichtet, um Akzeptanz und Nutzbarkeit im Betrieb sicherzustellen.
Methodik vor Fachinhalt: Der Schlüssel zur Skalierbarkeit
Ein zentrales strategisches Prinzip von ERWIN lautet: Das „Wie“ ist wichtiger als das „Was“.
Nicht das einzelne Gewerk steht im Vordergrund, sondern die Methode der Wissensübertragung. Moderierte Dialoge, praxisnahe Formate und prozessorientierte Qualifizierung befähigen Betriebe, das Assistenzsystem selbstständig zu nutzen.
Wie es konkret weitergeht
In den kommenden Wochen stehen wichtige Meilensteine an:
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der Launch der Projektwebsite
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die gezielte Ansprache von Betrieben und Generationen-Tandems
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die Definition zentraler Transferprodukte für den Fördermittelgeber
Im weiteren Projektverlauf folgen Einsätze im Experimentierraum und Workshops, begleitet durch die Hochschule Augsburg. Spielerische Methoden wie LEGO® Serious Play® helfen dabei, Hemmschwellen abzubauen und einen offenen Dialog über Wissen zu ermöglichen.
Der Mensch bleibt der Schlüssel
So leistungsfähig Technologie auch ist – ohne die Menschen im Betrieb funktioniert ERWIN nicht. Besonders wichtig sind die Generationen-Tandems aus erfahrenen Fachkräften und jüngeren Mitarbeitenden. Ihre soziale Dynamik ist die Grundlage dafür, dass Wissen überhaupt geteilt, verstanden und nutzbar gemacht wird.
Eine zentrale Herausforderung bleibt dabei die Betriebskultur: Wissen darf kein „Herrschaftswissen“ sein. ERWIN versteht sich als Werkzeug, das Arbeit wertvoller macht – nicht als Instrument, das Menschen ersetzt.
Fazit: ERWIN denkt Wissen neu
ERWIN ist kein weiteres IT-Projekt, sondern eine strategische Antwort auf eine der größten Herausforderungen des Handwerks.
Es verbindet Erfahrung, Technologie und Menschlichkeit – mit dem Ziel, Wissen dort zu sichern, wo es entsteht: Im täglichen Tun.







